BERESINA * licht in der dunkelheit

unser leben gleicht der reise eines wandrers in der nacht…

Mit ‘natur’ verschlagwortete Einträge

tag 31 * 11:45

Verfasst von WANDERER am 24. Oktober 2007

Wetteraussichten :(
Momentan (d.h. Ende August) beherrscht eine sonderbare Wetterkonstellation die Schweiz. Aus der einen Richtung kommen feuchtwarme, von der anderen Seite kalte Luftmassen. Die Grenze verläuft genau über der Schweiz und dies soll auch die nächsten Tage so bleiben. Das bedeutet, dass das Wetter den ganzen Tag ändert. Mal Sonne, dann wieder kurze, mehr oder weniger heftige Gewitter oder auch bloss feiner Regen, wieder trocken usw. Mein Handgelenk-Barometer, vor kurzem steil steigend, dann wieder fallend, geht rauf und runter wie eine Tonleiter. Und wie könnte es anders sein, die Temperaturen bleiben unter 20°C (gemäss meinem momentanen Empfinden bedeutet dies: im Keller). Gaaanz warm anziehen, Gring ache und ab durch die Mitte. Wie heisst’s doch so schön: „Nach em Räge chunnt d’Sunne.“ Ganz bestimmt…

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tag 25 * 13:20

Verfasst von WANDERER am 18. Oktober 2007

The sun is back!
Endlich wieder Sonne und blauer Himmel. Endlich wieder Natur und keine Ablenkungen mehr. Ich liege an der Aare auf einer Bank und lasse mich mit Wärme vollpumpen. Läck, isch das schön :)

Südwolken und Nordwolken
Während ich auf dem Rücken liege und einmal mehr den Wolken zuschaue, fällt mir auf, dass sie hier irgendwie anders sind als im Süden. Dort sind sie in raschem Wechsel entstanden und vergangen und haben dabei immer wieder neue Bilder gebildet. Hier ziehen sie einfach vorüber (wobei sie sich natürlich auch verändern). Doch das geschieht viel gemächlicher, fast als würden sie sich ans sprichwörtliche Berner-Tempo anpassen. Obschon: Berner sind ja bekanntlich bloss so langsam, damit alle anderen, insbesondere die Zürcher, ihnen folgen können!

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tag 10 * 12:00

Verfasst von WANDERER am 3. Oktober 2007

Regen-Nacht
Ja, es hat geregnet, etwa zwei Stunden lang! Und ja, es hat gewartet, bis ich mich fein säuberlich in meinem Schlafsack eingenistet hatte! Und ja, der Regen hat Schnecken gebracht, die ich aber am Rand meines Territoriums abwehren konnte. Und ja, ich bin trocken geblieben!!! Mann, war ich aufgeregt als der Regen begann. Doch als ich sah, dass voraussichtlich alles gut gehen würde, trommelte mir der Regen ein friedliches Schlaflied ;)

Noch mehr Regen?
Jetzt bin ich mit dem Schiff bis nach Cannobio gefahren. Es war ein Schnellboot. Schade, ich hätte einen gemütlichen Tag auf dem See geschätzt. Doch nun sehe ich Ascona und Locarno bereits in Reichweite.

Über Locarno hat es blauen Himmel und Cumuluswolken, Richtung Verbania donnert es. Ich habe keine Ahnung, wie sich das Wetter entwickeln wird. Demzufolge bin ich unschlüssige, wohin ich nun gehen soll.

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tag 09 * 18:30

Verfasst von WANDERER am 2. Oktober 2007

Im Hundeklo biwakieren?
Beinahe hätte ich mein Biwak im Hundeklo von Verbania aufgeschlagen! Mir war schon beim Kommen aufgefallen, dass an den schönsten Plätzchen neben dem Weg viele Taschentücher liegen und folgerte daraus richtig, dass hier Hundescheisse liegen muss. Also schlafen auf dem Weg (anstatt daneben), habe ja eine Unterlage dabei. Doch als dann gegen Abend eine wahre Völker- und Hundewanderung aufkam, war mir die Sache nicht mehr geheuer. Da lagen sicher auf jedem Quadratzentimeter Weg bereits mal Häufchen und jeder Baumstamm muss dick bepisst sein.

Jetzt habe ich dafür ein noch schöneres Plätzchen gefunden, direkt oberhalb des Flusses. Da hat Mister Holy Spirit wieder mal ganz gut zu mir geschaut. Bin aber gespannt, wies mit meinen „Lieblingsviechern“ kommt ;) Neu hats noch Ameisen. Ob die wohl in der Nacht schlafen?

Habe wiederum vier Steinmannli gestellt. Diesmal rechte Brocken und auf fast glatter Oberfläche (ähnlich diesen). Freue mich jedes mal, wenn sie dann nach geduldigem Ausrichten endlich stehen

Es ist immer noch bewölkt, zwischendurch fallen ein/zwei Tropfen. Richtig fest regnen wirds wohl kaum, habe aber vorsichtshalber das Tarp aufgespannt. Übung macht ja bekanntlich den Meister, deshalb lieber seine Verwendungsmöglichkeiten ausprobieren, wenns nicht regnet. So für den Fall, dass ich es mal richtig brauchen müsste…

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tag 06 * 09:40

Verfasst von WANDERER am 29. September 2007

Zivilisation :(
Nach der Abgeschiedenheit in der Natur haben mich nun die Geräusche der Zivilisation wieder. Autos, Musikkonzerte und natürlich Züge, vor allem Güterzüge. Wie das wohl wird, wenn im Dezember der Lötschberg-Basistunnel ans Netz geht?

Habe meinem Körper zum Frühstück einen halben Liter Milch gegönnt. Schön langsam, Schluck für Schluck. Hunger habe ich nach wie vor nicht, obschon ich nun seit mehr als fünf Tagen nichts gegessen habe (ausser einer Handvoll Heu- und Himbeeren). Damit ist bereits 1/8 der Zeit vorüber, dabei bin ich doch eben erst losgezogen!

Die Natur geniessen!
Ich bin nun also im Tal unten, im Moment in einer „Oasi WWF„. Auch hier wunderschön, mal abgesehen von den Mückenschwärmen ;) Ich staune immer wieder ob all den wunderschönen Plätzchen, die es in der Natur auf kleinstem Raum gibt. Habe wohl verlernt, dies wahrzunehmen. Wenn ich nach draussen gegangen bin, so habe ich immer etwas gemacht. Joggen, wandern, klettern usw. Dabei habe ich mir nie mehr die Zeit genommen, um innezuhalten und die Schönheit der Natur auf mich wirken zu lassen. Das ist schade, ich will es ändern.

Reisepläne
Ich habe vorgesehen, hier mal Rast zu machen, zu verschnaufen und dann dem Fluss entlang Richtung Süden zu gehen (bin drum nach meinem Abstecher ins Val Grande bloss wenige Kilometer südlich von Domodossola!). In Verbania werde ich hoffentlich Reparaturmaterial für meine Biwak-Matte finden. Ev. werde ich ab dort mit dem Schiff ein Stück seeaufwärts, Richtung Schweiz fahren. Wird sich weisen.

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tag 05 * 19:15

Verfasst von WANDERER am 28. September 2007

Ein wunderschöner Flecken Natur
Ich befinde mich an einem wahnsinnig lauschigen Plätzchen etwas oberhalb von Premosello. Nachdem ich nochmals gut 800m abgestiegen bin, befinde ich mich nun fast unten im Tal. Da gibt es ein Bächlein, das mehrere Pools hat, glasklares Wasser, Wasserfälle usw. Umgehend habe ich T-Shirt und Unterhosen ausgewaschen und gleich selber ein Nacktbad genommen. Das tat gut. Ganz in der Nähe habe ich mich für die Nacht eingerichtet. Doch bis ich schlafen gehe, verweile ich am Bächlein. Ich sitze auf einem Stein über einem kleinen Wasserfall, unter mir ein Pool und der Blick talauswärts, wo die letzten Sonnenstrahlen einen Teil des Waldes hell erleuchten. Auch hier werde ich wohl noch ein paar aufrechte Steinmänner hinterlassen :)

Zufällige Begegnung?
Dann ist mir was Lustiges passiert. Beim Abstieg vom Pass traf ich einen alten Mann, mit dem ich ein paar Worte wechselte. Er fragte mich, woher ich komme und ob ich ganz alleine unterwegs sei. Er meinte dann nur „pericoloso“, da im Nationalpark das Handy keinen Empfang hat. Wenn der wüsste, dass ich bloss eine lausige Karte bei mir habe und seit ein paar Tagen am fasten bin!

Nicht schlecht staunte er, als er ein paar Stunden später ins „Dörfchen“ zurückkehrte und mich wieder traf. Er habe nach seinen Ziegen und Schafen gesehen, sagte er und bot mir Kaffee und Bier an. Ich lehnte dankend ab, hätte mich beides wohl glatt vom Sockel gehauen ;) Er ging dann vor mir weiter, doch in der nächsten Ferienhaussiedlung sah ich seinen Rucksack vor einem Haus liegen. Ich dachte, dass es mich ja nicht wundern würde, wenn ich ihn nochmals treffen würde. Weiter unten, kurz vor meinem lauschigen Plätzchen, führte der Wanderweg an einem Hof vorbei. Schön gepflegt, doch keine Schafe und Ziegen da. Könnte doch das Heim des Alten sein. Und tatsächlich, grad nach meinem Bad kommt ein Jeep und er sitzt drin! Ich musste schmunzeln. Vielleicht seh ich ihn ja nochmals, wer weiss. Ich hab auf jeden Fall für ihn gebetet, dass Gottes „Schalom“ bei ihm einkehren möge (als Analogie zu Matthäus 10, 13a (HfA): „Wenn seine Bewohner euch und eure Botschaft annehmen, so wird der Friede, den ihr bringt, in diesem Haus bleiben.“).

Gebet um Erfüllung mit dem hl. Geist
Dann habe ich auch noch ganz schlicht den hl. Geist eingeladen, dass er mich erfüllen soll, so wie er es damals bei der Geistestaufe tat. Ich vertraue, dass er das auch wirklich tut.

Zeit oder noch nicht Zeit?
Dann las ich in Matthäus 8, 28-34 die Heilung der zwei besessenen Gadarener (HfA): „Als Jesus mit seinen Jüngern am anderen Seeufer das Land von Gadara erreichte, liefen ihnen zwei Männer entgegen, die von Dämonen beherrscht wurden. Sie hausten in Grabhöhlen und waren so gefährlich, dass sich niemand in ihre Nähe wagte. Sie fingen an zu schreien: «Was willst du von uns, du Sohn Gottes? Sollen wir schon jetzt gequält werden?»“ Erstaunlich die Frage der Geister, ob Jesus sie „schon jetzt“ quälen wolle. Wieso „schon“ jetzt? Mit Jesus kam das ganze Wirken, die volle Macht Gottes auf die Erde! Wir können und sollen uns nicht auf die Ewigkeit vertrösten. Gottes Reich bricht im hier und jetzt ein. Halleluja!

Diese Nacht wirds wohl nicht regnen. Ausser ein paar Schleierwolken ist der ganze Himmel blau :)

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tag 03 * 14:40

Verfasst von WANDERER am 26. September 2007

Pfadfinder
Bin schwächer geworden. Der Aufstieg zum Pass dauerte und war echt anstrengend. Auf der anderen Seite, wen wundert’s, ganz sicher kein Weg, wie er auf meiner Karte eingezeichnet ist. Doch auch der markierte Wanderweg, dem ich bisher gefolgt bin, hört hier auf. Nur noch Wegspuren.
Den ersten Teil, bis auf die Waldgrenze, kriege ich noch ganz gut hin. Dann auf Wildwechseln direttissima zum Bach runter. Der rauscht, d.h. Wasserfälle. Also oberhalb des Baches Wildwechsel suchen. Geht eine Zeitlang ganz gut, doch plötzlich überall Felswände.
Na denn, runter zum Bach, Schuhe ausgezogen und den Wasserfall souverän durchklettert :) Eine Zeitlang dem Bachlauf gefolgt und dann wieder hoch in den Wald. Diesmal mühsame Brennnesseln, langes Gras, Sträucher usw. Dann plötzlich eine grössere Spur. Ich bin sicher, dass dies nun der Wanderweg ist, der mich talauswärts zum Lago Maggiore führen wird.

Deshalb halte ich um ca. 13.30 Uhr an einem lauschigen Plätzchen gleich neben dem Bach und beschliesse, hier die Nacht zu verbringen. Doch vorher gibt’s erst mal grosse Wäsche :) Tut das gut.

Bin nicht so weit gekommen, wie ich eigentlich wollte, doch das Barometer zeigt nach wie vor schön.

Ja, und dann die letzte Nacht. Hatte mich draussen eingerichtet und die Sonne bis zu ihrem letzten Strahl genossen. Später die Sterne, es war einfach wunderbar. So um Mitternacht habe ich dann in die Hütte gezügelt. Es wurde kälter und der Schlafsack war vom Tau ganz nass.

Es scheint, dass meine Biwak-Matte Luft verliert :( :(

Neue Zuversicht, aber keine Veränderung
In der Zwischenzeit bin ich wieder etwas zuversichtlicher, dass aus dieser Zeit was Gutes entstehen wird. Punkto Fasten betrete ich nun Neuland. Drei Tage am Stück habe ich ja bereits zweimal ausprobiert. 40 Tage sind aber 13 x 3 Tage!

Lese Psalmen und bete etwas in Zungen, doch dringt irgendwie nichts rein. Ich drücke einfach immer wieder mein Verlangen aus, mich Jesus und dem hl. Geist vollkommen hinzugeben. Dies ist meine tiefste Sehnsucht.

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tag 02 * 12:00

Verfasst von WANDERER am 25. September 2007

Erste Erlebnisse
Bin früh aufgestanden. Dachte es lässt sich leichter wandern, wenn es noch nicht heiss ist. Musste zwischendurch den Weg suchen, Karte sei Dank ;) Nun bin ich auf einer Alp, ca. 1 600 m.ü.M., wo ich in einer Hütte die Nacht verbringen will. Der Aufstieg war anstrengend und ich will Kräfte sammeln für morgen über den Pass. Es fehlen mir noch 400-500 Höhenmeter. Und dann möchte ich auf der anderen Seite auch noch ein rechtes Stück nach unten. Möchte nicht auf dem Pass übernachten, da es dort wohl kühl und zügig sein wird.

Im Moment liege ich auf der Biwakhülle im Gras, tanke Sonne und beobachte das Wolkenspiel. Habe mal in der Bibel gelesen und „Was i bruche…“ (siehe unten) gesungen. Ans Beten in Zungen wage ich mich nur zögerlich. Mir wurde bewusst, dass ich für irgendein Bergabenteuer bis an meine Grenzen gehe, für Jesus, resp. die Verbreitung seines Reiches dagegen kaum. Vergib mir, Jesus, und erneuere mich.

PS: Unterwegs hoppelte ein Eichhörnchen ganz nah vorbei. Weiter oben staunte ein Rudel Gämsen über den ungebetenen Gast und verzog sich schleunigst in den Wald :)

Liedtext:
Was i bruche gisch du mir
Darum Herr, bini bi dir
Will niemer andersch biete cha
Was i Herr, bi dir, cha ha (2x)

Und du mir d’Sünde gern vergisch
Will du en Gott vo de Liebi bisch (2x)

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