Die verflixte “Rechnung ohne den Wirt”
Gestern kam ich mir sowas von obergeistlich vor. Den ganzen Tag fast ausschliesslich in Zungen beten! Dabei interagieren hl. Geist und menschlicher Geist direkt miteinander (so hab ich das jedenfalls mitgekriegt). Dumm bloss, dass Seele und Verstand davon kaum was mitkriegen und damit krass unterbeschäftigt sind (bei mir wars auf jeden Fall so). Dafür waren sie in der Nacht hoch aktiv, wo ich doch eigentlich schlafen wollte :)
Aus purer Langeweile habe ich heute Haselnüsse, auf der Strasse liegende (sprich zerbeulte) Äpfel und am Gartenzaun einer unbewohnten Liegenschaft hängende Trauben gesammelt. Die Haselnüsse habe ich aufgemacht und geröstet, die Äpfel sorgfältig gerüstet und zusammen mit den Trauben gekocht. Eigentlich wollte ich Mus machen, doch weil ich zuviel Wasser reingeschüttet habe, wirds nun, serviert mit Vanille-Eis, ein herrliches Dessert. Weiter habe ich mir aus mind. drei Quellen ein Rezept für eine “Bärner-Anke-Züpfe” zusammengestellt, welche ich am Samstag backen will.
Aber…
Eigentlich wollte ich doch diese letzten Tage ohne Ablenkung und nur mit Gott verbringen. Ev. gemeinsam Rückschau halten, mir nochmals ganz viele Dinge zeigen lassen usw. Hab mir das alles so genial ausgedacht und dabei angenommen, dass der hl. Geist sich selbstverständlich an dieses Drehbuch hält. Ist da wohl was verkehrt gelaufen?
Als mir vorhin einfiel, dass ich den Tag über kaum einen Gedanken an Gott Vater, Sohn und hl. Geist verschwendet habe, erinnerte ich mich ich an die Bibellese von heute morgen: Petrus geht auf dem Wasser (Matthäus 14, 25-31 HfA). Ach, wie ich diesen Haudegen mag!
Der in der Bibellesehilfe betonte Aspekt passte mir dagegen weniger. Da stand, dass die Reihenfolge nicht stimme. Petrus folge eigentlich keinem Auftrag von Jesus, sondern er habe seinem “Chef” befohlen, was dieser ihm befehlen solle… Jesus lässt ihn gewähren. Und hilft ihm anschliessend auch noch aus der selbstverschuldeten Patsche. Naja, viel treffender könnte man meine Situation ja kaum beschreiben. Ich musste laut lachen, als ich das realisierte.
“Jesus, es tuet mer leid, dass ig so säubverständlech erwartet ha, dass du di a mini Planig haute wirsch. Danke, dass du mir vergisch u nid nachtragend bisch. U danke natürlech o für au die guete Sache, woni drfür itz de am Samschti darf ässe.”
Nun, was machen mit den verbleibgenden ca. 36 Stunden (bis Samstagmorgen um 7 Uhr)? Wenn ich jetzt vor lauter Nichtstun beginne, alle fünf Minuten auf die Uhr zu gucken, wird es wohl nie Samstag ;). Nein, werde mich nochmals ernsthaft und unvoreingenommen mit dem hl. Geist besprechen, was noch wie laufen soll…