Berns Verantwortliche haben die Anti-WEF-Demo verboten. Und wollen dieses Verbot kompromisslos durchsetzen. Fodern dazu Verstärkung vom Polizeikonkordat Nordwestschweiz an. Seit dem Morgen fahren in der Kaserne Autos aus SO, BS, BL, AG und dem ganzen Kanton BE vor, gefüllt mit Polizisten. Parkplatz Schützenmatte gesperrt. An jeder Hausecke Gruppen von Polizeigrenadieren, Mannschaftsbussen, Wasserwerfern und Viehgatter-Jeeps. Schaufenster mit Holzverschlägen gesichert. Strassen (fast) leer.
Das weckt Erinnerungen. Andere Polizeiuniformen natürlich. Und anstatt Plexiglas-Schilder (unbenutzte) Kalaschnikovs. Oberflächlich Alltag. Nach Einbruch der Dämmerung leere Strassen. Mulmiges Gefühl.
Ist Weihnachten, widerstehe aber der Versuchung, mich dazu mit nichts Neuem zu äussern…
Ist auch Jahresende, die Zeit, in der ich Dankesbriefe erhalte. Tönt dann z.B. so:
“Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Im Namen des Regierungsrates möchte ich Ihnen am Ende dieses Jahres für Ihre wertvolle Mitarbeit herzlich danken. Gleichzeitig informiere ich Sie über geplante Vorhaben und Änderungen…
Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen ein besinnnliches Weihnachtsfest, erholsame Tage und einen guten Start ins neue Jahr 2008.
Mit freundlichen Grüssen
FINANZDIREKTION
Dr. XXX Muster-Muster, Regierungsrätin”
Der Staat verlangt also nicht bloss Steuern und Abgaben und Gebühren und noch mehr Steuern und Abgaben und Gebühren, er verschickt doch tatsächlich auch Dankesbriefe. Ok, vielleicht ists ja auch umgekehrt: Er verschickt Dankesbriefe und braucht dazu Steuergelder :)
Lustigerweise kommt der Dank aber aus dem Rathaus von Zürich, nicht von Bern. Da sieht man wieder: Zum Glück gibts die Berner, so gutmütig, dass sie den Zürchern in Notzeiten unter die Arme greifen ;)
Itz isch aber scho wieder Schluss, dusse schint d’Sunne u wartet uf mi.
Heute habe ich eine Weihnachtsdekoration aufgehängt. Lichterketten, 7 Meter lang, 2×20 Stränge mit insgesamt über 3′000 Lämpchen, die eine Hausfassade schmücken. Sieht im Dunkeln wahnsinnig schön aus.
Da bin ich also mit halbsteifen Fingern am Entwirren der Kabel, als eine Bekannte vorbeiläuft. Nach dem Hallo meint sie, “So, machst du Weihnachten?” Spontan sage ich “Nein, kann ich nicht, verschönere sie bloss.” Erst im Nachhinein wird mir bewusst, wie wahr das ist. Weihnachten kann ich nicht machen, dazu brauchte es ein grösseres Kaliber als mich.
Gott, der in Form eines stink:)normalen, schreienden Säuglings Mensch wird.
Da kann ich schlicht nichts mehr hinzufügen. Höchstens zusehen, dass ich das Licht nicht bloss an Hausfassaden hänge, sondern auch im Herzen trage und andere daran teilhaben lasse.
PS: Auf dem Nachhauseweg quatscht mich doch tatsächlich einer an. Und lässt sich (dummerweise) nicht mehr abschütteln. Soll ich ihm nun seine Story abkaufen oder nicht? Doch halt, darum gehts doch eigentlich gar nicht. Gebe ich ihm nun Münz oder nicht? Der kauft damit doch sowieso Stoff und nicht das Bahnbillett nach Thun.
Irgendwoher dringt die Aufforderung der Bibel in mein Bewusstsein, sich der Not der Armen nicht zu verschliessen. Auch diese lässt sich nicht mehr abschütteln ;) und so schiebe ich meine Hand in die Tasche, klaube mein Münz zusammen und gebe es ihm. Kräftezehrende Bewegungen. Scheint mir irgendwie anstrengender, als mit dem Velo 1/2h zur Arbeit zu fahren.
Henu-so-de, leuchten braucht halt nun mal Energie. Ömu de schön häu erlüchteti Adväntszyt auersits.
Schon wieder sitze ich in einem Seminar, diesmal als Teilnehmer. Es geht um Prophetie im weiteren Sinn, Schwerpunkt ist “Die Kunst, Gottes Stimme zu hören”. Es ist eng, ich noch im Alltag und mit falschem Schreibzeug ausgestatttet, die Rednerin hält das Mik so nah am Mund, dass ihr Atem durch die Lautsprecher rauscht und sie erklärt uns, wie früher in der 1. Klasse, ganz genau, wo wir welche Notizen hinschreiben sollen usw. Kurz: Fühle mich unwohl.
Ich wechsle also mal den Platz, verschiebe mich Richtung Snack-Buffet ;) und versuche, mal einfach anzukommen. Später gibts eine Gruppenübung, Austausch zum “Ersten Mal” (ne nei, scho nid was dir itz dänket…). Wie hast du zum ersten Mal Gott gehört, wie alt warst du usw. Umgehauen hat mich aber folgende Frage: In welchem Alter hast du realisiert, dass du die Gabe der Offenbarung hast? Meine Antwort: 37 Jahre, 6 Monate, 3 Wochen – soeben.
Bis jetzt war ich immer der Ansicht, dass mich Gott ev. mit einer überdurchschnittlichen Menschenkenntnis und/oder Intuition ausgestattet hat. Dass ich das als prophetische oder Offenbarungs-Gabe betrachten könnte, war mir schlicht nie in den Sinn gekommen. Ruckartig hat sich meine Perspektive verändert. Wenn ich in Zukunft etwas zum Thema Prophetie hören oder lesen werde, wird das ganz anders zu mir sprechen…
Doch diese Erkenntnis löst gemischte Gefühle in mir aus. Wichtiger als die “Gabe” ist der Charakter des “Begabten”. Und das ist und bleibt eine Herausforderung, wohl nicht nur für mich. Und trotzdem: Es bewegt sich was, ich bin “über den Jordan” (siehe tag 22 * 17:30). So cool. Genial. Super.
Letzte Session der Konferenz. Dale zum letzten. Eine Zeit, die mein Denken herausforderte, meine bisherige Sicht und Erfahrungen mit Kinder- und Jugendarbeit überdenken und ev. uminterpretieren lassen wird. Wohin das führen wird, weiss ich noch nicht…
Heilige und Heiligere
Da kam eine Frau zu mir und fragte, ob ich die Sessions aufnehme. Ja, sagte ich. Um höflich zu sein, startete ich dann folgende Konversation (so ungefähr):
Ich: Kommen sie aus Bern?
Frau: Nein, aus XY. (Ein Zentrumsort in der weiteren Umgebung von Bern)
I: Dann gehen sie in die Gemeinde AB?
F: Nein, wir sind in der Gemeinde DE. Also eigentlich würden wir vom Typ her besser in AB passen, aber wir haben den Eindruck, dass der Herr uns in DE haben will. In DE läuft nicht so viel. Satan ist offensichtlich am Wirken. Und irgendwer muss ja dranbleiben und das Gute tun. Wenigstens der Pastor will auch vorwärtsgehen.
Mein Lächeln war mittlerweile eingefroren. Irgendwie sind mir solche Menschen nicht ganz geheuer. Ich suche dann jeweils (vergeblich) den Heiligenschein und kontrolliere, ob sie ev. schweben. Hinter der Lächeln-Maske werde ich aber (mehr oder weniger) aggressiv: so selbstgerecht, überheblich, scheinheilig usw. Menschen, die das Kreuz auf sich nehmen und um Jesu willen leiden. So sehen sie sich doch, oder? Wieso habe ich Esel dieses Gespräch überhaupt angefangen und mich nicht hinter meinem MacBookPro und irgendwelcher Arbeit versteckt? Sollen sie sich doch mit ähnlichen Menschen zusammentun und eine Gemeinde von Mehr-Besseren, Mehr-Heiligeren gründen. Anstatt die Normalos von oben herab über ihre Unzulänglichkeiten “aufzuklären”.
So, denen (ähem, wem eigentlich) hab ichs wieder mal gesagt. Punkt, nicht Komma.
Doch anstatt besser fühle ich mich nun noch mieser: Ich bin über Menschen hergezogen, die vom himmlischen Vater mindestens so geliebt werden wie ich… Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
Vater, vergib mir, denn ich weiss nicht, was ich tue!
Dale läuft zur Hochform auf. Auch diese Session ist hörenswert (coming soon auf vineyard-bern.ch).
Vorher spielte “Wireless”, eine Teenieband. Wow, das ging ab. Dagegen waren die bisherigen Bands schlicht weichgespült :)
Und hier noch ein Video-Clip, das Gareth heute zur Illustration gebraucht hat:
Mit einem Ohr höre ich natürlich mit, was die beiden so alles erzählen. Is also nicht ohne. Unabhängig voneinander habe ich gestern abend und heute morgen den gleichen Kernpunkt rausgehört:
Wie ist meine (deine) Sicht von Kindern, resp. Jugendlichen? Bin ich bereit, sie als ebenbürtige Partner zu betrachten, mit denen ich in erster Linie Beziehung haben möchte?
Dale liess sich (Session 1) diesbezüglich vom hl. Geist herausfordern, seinen 5 Jahre alten Sohn als Bruder zu betrachten (und trotzdem weiterhin Gehorsam zu erwarten ;) Gareth (Session 2A) hatte einen eindrücklichen Traum, der ihn eine ähnliche Lektion lernte
Gareth postulierte zudem eine 5-Punkte-Philosophie für den Umgang mit Kids, Teens und Jugendlichen:
Vernunft und Begierde
Gestern regierte König Bauch, seis beim Essen, der Tagesgestaltung oder der Art und Weise, wie ich Dinge erledigte: Möglichst viel, möglichst schnell. Nach 40 Tagen Unterdrückung schlug das “Begierde-Empire” einen Tag lang erbarmungslos zurück. Punkto Essen führte das zu Bauchkrämpfen und kurzzeitigem Durchfall, bezüglich Rest zu einem hektischen Tag, gefolgt von abendlicher Traurigkeit darüber :( :( :(
Erkenntnis des Tages: Nichts essen ist bedeutend einfacher als vernünftig essen.
Doch dann war ausgetobt. Als ich bei einem nächtlichen Spaziergang den Tag Revue passieren liess, empfand ich bloss etwas Traurigkeit und eine Art Belustigung. Absolut keine Selbstverdammnis durch Schuldgefühle wegen Versagen, mangelnder Selbstkontrolle usw. Und absolut keine Hoffnungslosigkeit, es eh nie auf einen grünen Zweig zu bringen. Ich fiel in kein tiefes, schwarzes Loch!
Das ist so komplett anders, als ich es nun seit Jahren gewohnt war. Irgendetwas ist grundsätzlich anders geworden. Das hat mich so überwältigt und berührt, dass ich einige Minuten nur noch weinen und stammeln konnte. Es ist tatsächlich eine neue neue Ära angebrochen.
Jedenfalls für mich, für den Rest der Welt ev. nicht ;)
Ausblick
Kann vor lauter Aufregung natürlich wieder nicht schlafen… Ursprünglich wollte ich heute einen Rückblick schreiben. Doch die Erinnerungen sind noch so frisch und umfangreich, dass dieser wohl viel zu lang und chaotisch geworden wäre. Und überhaupt:
“Der letzte Schritt aus der Vergangenheit ist der erste Schritt in die Zukunft.”
Genau. Wieso zurückschauen, wenn doch die Zukunft direkt vor meiner Nase liegt. Selbstverständlich habe ich jede Menge Ideen, was ich in der nächsten Zeit alles unternehmen, ausprobieren und ändern möchte. Doch anstelle einer Aufzählung schreibe ich lieber ein Lied auf, eine Erinnerung an meine Kindheit, welches mich seit ein paar Tagen begleitet. Es beschreibt treffend, was ich im Moment empfinde:
Mein Herr kennt den Weg, der vor mir liegt,
ich brauche nur zu folgen. (2x)
Kraft, ihn zu gehn, zu widerstehn,
der Hölle, dem Tod und dem Teufel.
Mein Herr kennt den Weg, der vor mir liegt,
ich brauche nur zu folgen.
Gestern habe ich mir zudem aus einem Stapel Bibelverse einen “zufällig” rausgezogen, so als Losung für die kommenden Wochen: “Denn er selbst, der Vater, hat euch lieb.” (Johannes 16, 27a HfA) Danke Vättu, ig di o.